Erstens: Die vier Grundsätze
1 Erläuterung der Umschrift
In unseren Büchern verwenden wir für die Transliteration der arabischen Schriftzeichen die von der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft (DMG) entwickelte Umschrift. Folgende Tabelle erläutert die Laute, die in Schreibweise und/oder Aussprache vom Deutschen abweichen:


Die hier nicht aufgeführten Buchstaben werden gleich oder ähnlich wie im Deutschen ausgesprochen.
1 Einführende Erläuterung des Verfassers
Der ʼImām Scheich ‛Abdul-‛Azīz Ibn ‛Abduḷḷāh Ibn Bāz, möge Aḷḷāh Sich seiner erbarmen, schrieb:
Mit dem Namen Aḷḷāhs, des Gnadenvollen, des Gnädigen!
Aḷḷāh, der Herr aller Welten, sei lobgepriesen; möge der erfolgreiche Ausgang den Gottesfürchtigen zuteilsein, Aḷḷāh segne Seinen Diener und Gesandten, unseren Propheten Muḥammad, seine Familie und all seine Gefährten, und schenke ihnen Heil.
Dies sind knappe Worte zur Erläuterung einiger Kenntnisse, die jeder Muslim über den ʼIslām haben soll und denen ich den Titel «Die wichtigen Lektionen für die muslimische Öffentlichkeit» gegeben habe.
Ich bitte Aḷḷāh darum, dass Er diese Arbeit von mir annimmt und dass die Muslime Nutzen daran finden. Wahrlich Er ist freigebig und großzügig.
‛Abdul-‛Azīz Ibn ‛Abduḷḷāh Ibn Bāz
2-1 Warum beschäftigen wir uns mit den «wichtigen Lektionen»?
Weil der Verfasser s r sie als wichtig bezeichnete und sie den Gelehrten empfahl.
Sollte jemand einwenden: „Ja, sie mögen vielleicht für die muslimische Öffentlichkeit wichtig sein, aber ich bin doch ein Student und von höherem Rang als andere Muslime!“ Dann sollten wir diesen Studenten nach dem Inhalt dieser Lektionen fragen. Wenn er sich damit nicht auskennt, sind die „anderen Muslime“ besser als er. Ohnehin soll der Student bescheiden sein, sich gegenüber dem Wissen und den Gelehrten
nicht überheblich verhalten und dem Weg der rechtschaffenen Gelehrten folgen.
In seinem Buch „Al-Ğāmi‛ aṣ-Ṣaḥīḥ“ (Die authentische Sammlung) zitiert al-Buḫāriyy Muğāhid: „Das Wissen wird weder einem (zu) Schüchternen noch einem Überheblichen zuteil“.
2-2 Was beinhalten die «wichtigen Lektionen»?
Ansatz der rechtschaffenen Vorfahren mit dem Qurʼān, wie sie ihn rezitierten, auswendig lernten, studierten und umsetzten.
- Erläuterung der Grundsätze: Hingabe (ʼIslām), Glauben (ʼĪmān), Güte (ʼIḥsān), der Glaube an die Einzigkeit Gottes (Tauḥīd) und die verschiedenen Arten der Beigesellung (Širk).
- Erläuterung des Gebets (Ṣalāh)
- Erläuterung der rituellen Gebetswaschung (Wuḍūʼ)
- Moralische Grundsätze und islamische Sitten und deren Einhaltung.
- Die Warnung vor der Beigesellung und den verschiedenen Sünden.
- Rituelle islamische Bestattung, Totengebet.
2-3 Warum beginnen die Gelehrten ihre Bücher mit der islamischen Eröffnungsformel?

3 Erste Lektion
Sūrah al-Fātiḥah (1: Die Eröffnung) und die kurzen Suren:
Man soll Sūrah al-Fātiḥah und einige der einfachen, kurzen Suren bis Sūrah an-Nās (114: Die Menschen) anhören, deren Rezitation verbessern, sie auswendig lernen und sich die Bedeutung erklären lassen.
Erläuterung:
Man lernt – wie die Früheren es taten – täglich 10 Verse auswendig und liest deren Erläuterung in einem kurz gehaltenen Tafsīr-Werk, bspw. in dem von Ibn as-Sa‛diyy s. Und man bittet Aḷḷāh um Hilfe bei der Umsetzung dieser Verse.
Mit welcher Qur’an-Erläuterung soll ein Studierender anfangen?
Es wird empfohlen, mit dem Tafsīr von Scheich ‛Abd ar-Raḥmān Ibn Nāṣir as-Sa‛diyy s anzufangen.
Warum?

Sie lassen sich gemäß ihrem Verhalten gegenüber dem Qurʼān in zwei Extreme und eine moderate Mitte einteilen:

Aḷḷāh U spricht:
„Und der Gesandte sagt: „O mein Herr, mein Volk mied diesen Qurʼān unter Missachtung“ (25:30),
und Aḷḷāhs Gesandter r sagte: „Aus der Nachkommenschaft dieses Mannes [gemeint ist der Prophet selbst] kommen Leute, die den Qurʼān rezitieren, und er überschreitet ihre Kehlköpfe nicht. Sie töten die Leute des ʼIslām und lassen die Götzendiener (leben). Diese dringen durch den
ʼIslām hindurch, genau wie der Pfeil, der das geschossene Tier durchdringt. Würde ich noch leben, bis ich diese Leute sehe, dann würde ich sie genauso töten, wie die ʽĀd getötet wurden.“
3-1Auszüge aus dem Tafsīr des Gelehrten ‛Abd ar-Raḥmān as-Sa‛diyy und Fragen dazu
3-1-1 Tafsīr von Sūrah al-Fātiḥah (1: Die Eröffnung, mekkanisch)
{1) Mit dem Namen Aḷḷāhs, des Gnadenvollen, des Gnädigen. 2) (Alles) Lob gehört Aḷḷāh, dem Herrn der Welten, 3) dem Gnadenvollen, dem Gnädigen, 4) dem Herrscher am Tag des Gerichts. 5) Dir allein dienen wir, und zu Dir allein flehen wir um Hilfe. 6) Leite uns den geraden Weg, 7) den Weg derjenigen, denen Du Gunst erwiesen hast, nicht derjenigen, die (Deinen) Zorn erregt haben, und nicht der Irregehenden!}
1) {Mit dem Namen Aḷḷāhs …}, d.h., ich beginne mit allen Namen Aḷḷāhs, erhaben ist Er. Denn das Wort „ʼIsm“ (Name) umfasst aufgrund seiner grammatikalischen Anwendung in diesem Ausdruck alle schönen Namen (Aḷḷāhs). {Aḷḷāh} ist der angebetete Gott, Der allein die Anbetung verdient, aufgrund Seiner göttlichen, in jeder Hinsicht vollkommenen Eigenschaften. {… dem Gnadenvollen, dem Gnädigen}: Zwei Namen, die auf Aḷḷāhs U unermesslich weite Gnade hinweisen, die alles umfasst und jedem Lebewesen gilt. Aḷḷāh lässt sie denjenigen zuteilwerden, die Ihm gegenüber achtsam sind, die Seinen Propheten und Seinen Gesandten folgen. Ihnen wird absolute Gnade gewährt, während allen anderen nur ein Anteil davon zukommt.
Wir sollen verinnerlichen, dass sich die Vorgänger und Anführer dieser Gemeinschaft u. a. über den Grundsatz einigten, an die Namen Aḷḷāhs, Seine Eigenschaften und an die sich daraus
ergebenden Urteile zu glauben. So glauben sie u. v. a., dass Er der Gnadenvolle, der Gnädige ist. D. h., Gnade ist Seine Eigenschaft, und sie gilt dem, dem sie gewährt wird. So sind alle Gnaden eine Folge dieser Seiner Eigenschaft. Das gilt auch für alle anderen Namen.
ergebenden Urteile zu glauben. So glauben sie u. v. a., dass Er der Gnadenvolle, der Gnädige ist. D. h., Gnade ist Seine Eigenschaft, und sie gilt dem, dem sie gewährt wird. So sind alle Gnaden eine Folge dieser Seiner Eigenschaft. Das gilt auch für alle anderen Namen.
2) {(Alles) Lob gehört Aḷḷāh}, das bedeutet: Gelobt sei Aḷḷāh für all Seine Eigenschaften der Vollkommenheit und für Seine Taten, die stets auf Großzügigkeit und Gerechtigkeit gründen; Ihm gebührt immer und uneingeschränkt das vollkommene Lob.
„(Alles) Lob gehört Aḷḷāh, dem Herrn der Welten“, d. h., gelobt sei Aḷḷāh für all Seine Eigenschaften der Vollkommenheit und für Seine Taten, die entweder aus Großzügigkeit oder Gerechtigkeit erfolgen; in jedem Fall gebührt Ihm das vollkommene Lob.
3. {…dem Herrn der Welten}: Der Herr (arab. „Rabb“, abgeleitet vom Verb „rabbā“: herrschen, erziehen, sorgen, bzw. versorgen), sorgt für alle Welten – d. h. für alle Geschöpfe, die außer Aḷḷāh existieren: Er hat sie erschaffen, Er versorgt sie und überhäuft sie mit Seinen unermesslichen Gnaden. Ohne dies könnten sie nicht existieren; somit ist jede Gnade, die einem Geschöpf zuteilwird, auf Aḷḷāh zurückzuführen.
Die Herrschaft Aḷḷāhs U über Seine Geschöpfe ist in zwei Arten einzuteilen, eine allgemeine und eine spezifische:
- Die allgemeine bezieht sich auf alle Geschöpfe, ihre Erschaffung, Versorgung und ihre Leitung zu dem, was ihnen im diesseitigen Leben Nutzen bringt.
- Die spezifische Herrschaft bezieht sich auf Aḷḷāhs Gefolgsleute. Diese leitet Er recht, zum Glauben hin, den
Er ihnen beibringt und vervollständigt. Er beschützt sie vor Ablenkungen und Hindernissen, die sie vom Glauben abhalten könnten. Mit anderen Worten: Aḷḷāh sorgt für sie, indem Er sie zu allem Guten hin rechtleitet und sie vor allem Bösen verschont. Möglicherweise ist dies der Grund dafür, dass alle Propheten ihre Bittgebete mit der Anrede „Rabb“ einleiten, denn all ihre Wünsche unterliegen Seiner Herrschaft (Rubūbiyyah). So weist der Ausdruck „dem Herrn der Welten“ darauf hin, dass die Schöpfung, die Lenkung und die Versorgung allein Ihm zuzuschreiben sind, d. h., Er ist vollkommen bedürfnislos, während alle Geschöpfe in jeder Hinsicht vollumfänglich von Ihm abhängig sind.
4. {…dem Herrscher am Tag des Gerichts}: Er ist der Besitzer der absoluten Herrschaft, Der befiehlt und verbietet, belohnt und bestraft, in absoluter Freiheit gegenüber seinen Untertanen. Die „Herrschaft“ wird hier in Zusammenhang mit dem Tag des Gerichts erwähnt, dem Tag der Auferstehung, an dem die Menschen gemäß ihrer guten und bösen Taten gerichtet werden, weil an diesem Tag den Geschöpfen die Vollkommenheit Seiner Herrschaft, Seiner Gerechtigkeit und Seiner Weisheit deutlich wird. Da werden alle Besitztümer nichtig werden, Könige und Untertanen, Sklaven und Freie werden gleich sein. Alle werden sich Seiner Majestät unterwerfen, sich Seiner Erhabenheit ergeben, in Erwartung der Vergeltung, Seine Belohnung erhoffend und Seine Bestrafung fürchtend. Daher hebt Aḷḷāh speziell diesen Tag hervor, denn natürlich ist der Herr am Tag des Gerichts auch an allen anderen Tagen der Herr.
5. Mit {Dir allein dienen wir, und zu Dir allein flehen wir um Hilfe} ist gemeint, dass wir einzig Ihm all unsere Anbetung widmen und nur Ihn um Hilfe bitten. Durch die Voranstellung des„ Iyyāka“ (Dir) wird die Einschränkung auf Ihn hervorgehoben (im Deutschen durch „allein“ ausgedrückt) und zudem die Bejahung betont und dadurch das Gegenteil kategorisch abgelehnt. So bedeutet es eigentlich: Wir beten Dich an und niemanden andern, wir flehen Dich um Hilfe an und niemanden andern. Dass die Anbetung dem Hilferuf vorgestellt wird, gilt als Voranstellung des Allgemeinen vor dem Spezifischen und hebt die besondere Bedeutung der Verpflichtung gegenüber Aḷḷāh U – verglichen mit dem Recht Seiner Diener – hervor.
Mit „dienen wir“ ist hier die ʽIbādah (Gottesdienst) insgesamt gemeint, es ist ein „ein Sammelbegriff für alles, was Aḷḷāh an wahrnehmbaren und nicht wahrnehmbaren Taten und Worten liebt und annimmt“. Der „Anruf um Hilfe“ bedeutet, „dass man sich auf Aḷḷāh c verlässt, um Nutzen zu erlangen oder Schaden zu verhindern. Dabei muss man zuversichtlich sein, dass einem das Erbetene zuteilwird“.
Das Einhalten der religiösen Pflichten und das Anflehen Aḷḷāhs um Hilfe sind der Weg zum ewigen Glück und zur Rettung vor allem Bösen, und es gibt keinen anderen Weg außer diesem. Ein Gottesdienst ist nur ein solcher, wenn er vom Propheten r überliefert ist und wenn man ihn einzig um Aḷḷāhs Willen verrichtet. Nur unter Einhaltung dieser beiden Bedingungen kann von einem Gottesdienst die Rede sein. Dass das Erflehen der Hilfe nach dem Gottesdienst separat erwähnt wird, obwohl es ein Teil davon ist, lässt sich damit begründen, dass ein Diener in allem, was er in der Religion und um Aḷḷāh U willen tut, um Seine Hilfe bitten muss, denn ohne diese würde es ihm nicht gelingen, Gebote und Verbote einzuhalten. Danach sagt Aḷḷāh U:
6) {Leite uns den geraden Weg}, d. h. zeige uns den richtigen Weg, führe uns zu ihm und gewähre uns dabei Erfolg. Gemeint ist der gerade, klare Weg, der zu Aḷḷāh und zum Paradies führtund der darin besteht, das Rechte zu erkennen und es umzusetzen. Somit beinhaltet dieses Bittgebet: Leite uns zum Weg hin und dann führe uns darauf. Denn wer rechtgeleitet ist, wird sich an den ʼIslām halten und sich von allen anderen Religionen distanzieren. Die Führung auf dem Weg umfasst die Rechtleitung zum Wissen und Umsetzen aller religiösen Einzelheiten. Dieses Bittgebet ist somit eines der komplettesten und nützlichsten für den Muslim, der es so dringend braucht, dass er dazu verpflichtet wird, Aḷḷāh in jedem einzelnen Gebetsabschnitt damit zu bitten!
7) Der gerade Weg ist der {Weg derjenigen, denen Du Gunst erwiesen hast} – nämlich der Propheten, der treuen Gläubigen, der Märtyrer und der Rechtschaffenen – {nicht} der Weg {derjenigen, die (Deinen) Zorn erregt haben}, derjenigen, die die Wahrheit erkannten und sich davon abwandten, wie bspw. die Juden, und nicht der Weg {der Irregehenden}, die die Wahrheit aus Unwissen und Irrtum verlassen haben, wie bspw. die Christen.Diese kurze Sūrah enthält in ihrer Knappheit etwas, was in keiner anderen Sūrah im Qurʼān vorkommt, nämlich alle drei Arten des Tauḥīd: den Tauḥīd in der Herrschaft (Rubūbiyyah), enthalten im Ausdruck {Herr der Welten}, den Tauḥīd in der Göttlichkeit (ʼUlūhiyyah), nämlich dass Ihm allein jede Anbetung gebührt – ausgedrückt durch den Namen {Aḷḷāh} und die Worte {Dir allein dienen wir, und zu Dir allein flehen wir um Hilfe} –, sowie den Tauḥīd in Namen und Eigenschaften (al-Asmāʾ wa-ṣ-ṣifāt), d. h., dass alle Eigenschaften der Vollkommenheit (einzig) Aḷḷāh zuzuschreiben sind. Diese Eigenschaften hat Er für Sich selbst bestätigt, oder aber der Prophet r hat sie Ihm zugesprochen, sie haben kein Ende und keinen Unterbruch und dürfen weder körperlich verstanden noch mit etwas aus der Schöpfung
verglichen werden. Auf diese dritte Art des Tauḥīd weist wie oben erwähnt der Ausdruck {(Alles) Lob gehört Aḷḷāh} hin.
Weiterhin ist diese Sūrah eine Bestätigung der Botschaft (des Propheten Muḥammad r), nämlich durch die Bitte: {Leite uns den geraden Weg}, wäre doch ohne diese Botschaft die Rechtleitung unmöglich.
Der Ausdruck {Herrscher am Tag des Gerichts} weist auf die Vergeltung der Taten hin, wobei der Begriff {Gericht} beinhaltet, dass die Abrechnung gerecht sein wird.
Auch die Vorbestimmung (Qadar) wird bestätigt, und die Tatsache, dass der Diener wirklich handelt, im Gegensatz zu dem, was die Qadariyyah[1] und die (Ǧabriyyah)[2] behaupten.
Die Anhänger dieser Gruppe gehen davon aus, dass der Mensch sein Schicksal ausschließlich selbst gestaltet, ohne göttliches Vorwissen. (Anm. d. Ü.).
Die Anhänger dieser Gruppe glauben an das fest vorgeschriebene Schicksal des Menschen, der keinen freien Willen hat. (Anm. d. Ü.).
Die Sūrah gibt sogar den Ketzern und Irreführern eine Antwort, nämlich wenn es heißt: {Leite uns den geraden Weg}. Denn dieser besteht darin, die Wahrheit zu erkennen und umzusetzen; während jene ja gerade davon abweichen.
Schließlich erinnert uns die Sūrah mit dem Vers {Dir allein dienen wir, und zu Dir allein flehen wir um Hilfe} an die Wichtigkeit der Aufrichtigkeit im Glauben an Aḷḷāh U als einzigen Gott, und zwar, indem man nur Ihn anbetet und um Hilfe bittet.
So gehört alles Lob Aḷḷāh, dem Herrn aller Welten.
[2] Die Anhänger dieser Gruppe gehen davon aus, dass der Mensch sein Schicksal ausschließlich selbst gestaltet, ohne göttliches Vorwissen. (Anm. d. Ü.).
[3] Die Anhänger dieser Gruppe glauben an das fest vorgeschriebene Schicksal des Menschen, der keinen freien Willen hat. (Anm. d. Ü.).
3-1-2 Tafsīr von Āyat al-KursiyyKursī (2:55, Thronschemel-Vers)
„Aḷḷāh - es gibt keinen Gott außer Ihm, dem Lebendigen und Beständigen. Ihn überkommt weder Schlummer noch Schlaf. Ihm gehört (alles), was in den Himmeln und was auf der Erde ist. Wer ist es denn, der bei Ihm Fürsprache einlegen könnte – außer mit Seiner Erlaubnis? Er weiß, was vor ihnen und was hinter ihnen liegt, sie aber umfassen nichts von Seinem Wissen – außer, was Er will. Sein Thronschemel umfasst die Himmel und die Erde, und ihre Behütung beschwert Ihn nicht. Er ist der Erhabene und Allgewaltige.“ (2:255)
Der Prophet r nannte diesen Vers den großartigsten des Qurʼān, aufgrund der darin enthaltenen Informationen über Aḷḷāhs Einzigkeit, Seine Majestät und Seine umfassenden Eigenschaften. So lässt Aḷḷāh uns wissen, dass Sein Name {Aḷḷāh} beinhaltet, dass nichts außer Ihm göttlich ist und dass niemandem außer Ihm Gottesdienst und Hingabe gebührt. Jede Vergöttlichung und jede Anbetung anderer außer Ihm ist ohne jede Grundlage. Er ist ferner der {Lebendige}, Besitzer aller Aspekte des Lebens, darunter Gehör, Sehkraft, Verstand, Körperkraft und Willen. Und Er ist der {Beständige}, Der durch Sich selbst besteht und keines Seiner Geschöpfe bedarf. Alles, was existiert, hat Er erschaffen, Er erhält es und versorgt es mit allem, was es zu seiner Existenz braucht. Es gehört zur vollkommenen Beständigkeit Aḷḷāhs, dass {Ihn […] weder Schlummer noch Schlaf [überkommt]}, denn müde werden nur schwache, unfähige Geschöpfe, die dem Verfall geweiht sind, nicht aber Er, Der Besitzer der Majestät, des Stolzes und der Erhabenheit, Dem alles gehört, was in den Himmeln und auf der Erde existiert.
Wir sind also ausnahmslos alle Aḷḷāhs Diener und Untertanen, wie es auch in einem anderen Vers heißt: {Niemand in den Himmeln und auf der Erde wird zum Allerbarmer anders denn als Diener kommen (können)} (19:93). Ihm gehören alle Reiche, Er ist der Besitzer, der Herrscher, der Stolze, Der über alles verfügt. Die Vollkommenheit Seiner Herrschaft beinhaltet, dass niemand {bei Ihm Fürsprache einlegen könnte - außer mit Seiner Erlaubnis}. Denn alle – auch Hochrangige und Fürsprecher – sind wir Seine Diener und Untertanen, niemand darf Fürsprache einlegen, außer wem Er es erlaubt. {Sag: Alle Fürsprache gehört Aḷḷāh (allein). Ihm gehört die Herrschaft der Himmel und der Erde. Hierauf werdet ihr zu Ihm zurückgebracht.}(39:44). Aḷḷāh gestattet sie aber nur für jemanden, am dem Er Wohlgefallen hat. Und Aḷḷāh hat nur Wohlgefallen an dem, der Ihn allein anbetet und Seinen Gesandten folgt. Wer sich aber abwendet, dem wird keine Fürsprache zuteil. Dann erwähnt Aḷḷāh Sein umfassendes Wissen über alles, liege es {vor} den Geschöpfen, d. h. in ihrer Zukunft, oder {hinter ihnen}, d. h. in ihrer Vergangenheit. Kein Geheimnis ist Ihm verborgen, {Er kennt die verräterischen Augen und weiß, was die Brüste verbergen} (40:19). Und die Geschöpfe sind nicht in der Lage, etwas von Aḷḷāhs Wissen und Kenntnissen zu erlangen, {außer, was Er will}. Das ist u. a. das, was die religiösen Gesetze und die Vorbestimmung betreffen – ein verschwindend geringer Teil des Wissens und der Kenntnisse des Schöpfers! So sagten die wissendsten aller Geschöpfe, nämlich die Gesandten und die Engel: {Preis sei Dir! Wir haben kein Wissen außer dem, was Du uns gelehrt hast.} (2:32).
Dann erwähnt Aḷḷāh Seine Majestät und Erhabenheit und lässt uns wissen, dass allein schon Sein Thronschemel die Himmel und die Erde umfasst, die Er samt allen Geschöpfen darin aufrecht erhält und versorgt, und zwar ganz ohne dass es Ihn jemalsbeschwert oder ermüdet, denn vollkommen sind Seine Majestät, Seine Fähigkeit und die umfassende Weisheit, mit welcher Er Seine Urteile fällt. {Er ist der Erhabene} über Seine Geschöpfe, Er ist der Erhabene aufgrund der Hoheit Seiner Eigenschaften und Er ist der Erhabene, der Seine Geschöpfe überwältigt, Dem sich alle Kreaturen unterwerfen und von dem die Menschenleben abhängen.
Er ist {der Allgewaltige} Ihm gehören alle Eigenschaften der Majestät, des Stolzes, des Sieges und der Hoheit; Ihn lieben und Ihn verherrlichen die Menschen mit Herzen und Seelen. Dem Wissenden ist bewusst, dass alles, was existiert, im Vergleich mit der Majestät des Erhabenen, des Großartigen, gering ist.
Ein Vers, der all diese erhabenen Bedeutungen beinhaltet, verdient es, der großartigste des Qurʼān zu sein. Und derjenige, der ihn mit Besonnenheit und Verständnis rezitiert, verdient es, dass dadurch sein Herz mit Zuversicht, Kenntnis und Glauben erfüllt wird, und dass es ihn vor der Schlechtigkeit des Teufels schützt.
3-1-3 Tafsīr von Sūrah az-Zalzalah (99: Das Beben, medinensisch)
Mit dem Namen Aḷḷāhs, des Gnadenvollen, des Gnädigen
{1. Wenn die Erde erschüttert wird durch ihr heftiges Beben 2. und die Erde hervorbringt ihre Lasten 3. und der Mensch sagt: „Was ist mit ihr?“, 4. an jenem Tag wird sie die Nachrichten über sich erzählen, 5. weil dein Herr (es) ihr eingegeben hat. 6. An jenem Tag werden die Menschen (in Gruppen, arab. ’aštātan) getrennt herauskommen, damit ihnen ihre Werke gezeigt werden. 7. Wer nun im Gewicht eines Stäubchens Gutes tut, wird es sehen. 8. Und wer im Gewicht eines Stäubchens Böse
Verse 1-2: Der Erhabene beschreibt den Tag der Auferstehung, den Tag, an dem die Erde erbeben wird und alles, was sich auf ihr befindet, einstürzt, den Tag, an dem die Berge zermalmt und die Hügel dem Erdboden gleichgemacht werden, sodass nichts als eine kahle Ebene zurückbleibt. {Und die Erde hervorbringt ihre Lasten}, nämlich die Toten und die Schätze, die sie in ihrem Innersten birgt.
Vers 3: {und der Mensch}, wenn er sieht, welch gewaltige Heimsuchungen die Erde erlitt, {sagt: „Was ist mit ihr?“} – was ist mit ihr geschehen?
Verse 4-5: {An jenem Tag wird sie} – die Erde – {die Nachrichten über sich erzählen}, d. h. sie wird berichten, welche guten und schlechten Taten auf ihr vollbracht wurden. Denn die Erde ist einer der Zeugen über die Taten der Menschen, {weil dein Herr (es) ihr eingegeben} hat und ihr befehlen wird, offenzulegen, was auf ihr geschah. Die Erde wird sich Seinem Befehl nicht widersetzen.
Vers 6: {An jenem Tag werden die Menschen (…) herauskommen}, um versammelt zu werden und auf Aḷḷāhs Urteil zu warten, und zwar werden sie {(in Gruppen) getrennt (...) herauskommen, damit ihnen ihre Werke gezeigt werden}, d. h., damit Aḷḷāh ihnen ihre guten und schlechten Taten und ihren Lohn zeigt.
Verse 7-8: {Wer nun im Gewicht eines Stäubchens Gutes tut, wird es sehen. Und wer im Gewicht eines Stäubchens Böses tut, wird es sehen}, die guten und schlechten Taten allesamt, und wenn der Mensch dann sogar in der Lage ist, das Gewicht eines Stäubchens wahrzunehmen, das ihm vergolten wird, dann wird er alles, was darüber hinausgeht, erst recht erkennen. So spricht der Erhabene an anderer Stelle: {An dem Tag wird jede Seele das, was sie an Gutem getan hat, bereitfinden. Und von dem, was sie
an Bösem getan hat, hätte sie gern, wenn zwischen ihr und ihm ein weiter Abstand wäre.} (3:30) Diese Worte dienen als Ansporn, Gutes zu tun, so gering es auch sein mag, und Schlechtes zu meiden, selbst wenn es nichtig erscheint.
3-1-4 Tafsir von Sūrah al-‛Ādiyāt (100: Die Rennenden, mekkanisch)
Mit dem Namen Aḷḷāhs, des Gnadenvollen, des Gnädigen
{1. Bei den schnaubend Rennenden, 2. den (mit ihren Hufen) Funken Schlagenden, 3. den am Morgen Angreifenden, 4. die darin Staub aufwirbeln, 5. die dann mitten in die Ansammlung eindringen! 6. Der Mensch ist seinem Herrn gegenüber wahrlich undankbar, 7. und er (selbst) ist darüber wahrlich Zeuge. 8. Und er ist in seiner Liebe zum (eigenen) Besten wahrlich heftig. 9. Weiß er denn nicht? Wenn durchwühlt wird, was in den Gräbern ist, 10. und herausgeholt wird, was in den Brüsten ist,...ist... 11. ihr Herr wird an jenem Tag ihrer wahrlich Kundig sein.}
Mit dem Namen Aḷḷāhs, des Gnadenvollen, des Gnädigen
{1. Bei den schnaubend Rennenden, 2. den (mit ihren Hufen) Funken Schlagenden, 3. den am Morgen Angreifenden, 4. die darin Staub aufwirbeln, 5. die dann mitten in die Ansammlung eindringen! 6. Der Mensch ist seinem Herrn gegenüber wahrlich undankbar, 7. und er (selbst) ist darüber wahrlich Zeuge. 8. Und er ist in seiner Liebe zum (eigenen) Besten wahrlich heftig. 9. Weiß er denn nicht? Wenn durchwühlt wird, was in den Gräbern ist, 10. und herausgeholt wird, was in den Brüsten ist,...ist... 11. ihr Herr wird an jenem Tag ihrer wahrlich Kundig sein.}
Vers 2: {den (mit ihren Hufen) Funken Schlagenden}, wenn sie in schnellem Lauf mit ihren harten Hufen aufschlagen.
Vers 3: {den am Morgen Angreifenden}, denn die Angriffe erfolgen meist am Morgen.
Vers 4-5: {die darin Staub aufwirbeln}, beim Angreifen, {die dann mitten in die Ansammlung eindringen}, mit ihren Reitern mitten in das feindliche Heer einfallen.
Vers 6: Und dies ist der Inhalt des Schwurs: {Der Mensch ist seinem Herrn gegenüber wahrlich undankbar}, [...]. Der Mensch ist von Natur aus nachlässig in der Erfüllung seiner Pflichten und hält sie selten ganz ein. Er neigt zur Trägheit und dazu, seine materiellen und körperlichen Pflichten zu missachten. Ausgenommen sind diejenigen Menschen, die sich von Aḷḷāh leiten lassen und ihren Pflichten nachkommen.
Vers 7: {Und er (selbst) ist darüber wahrlich Zeuge}: D. h., der Mensch ist sich seiner Undankbarkeit selbst bewusst und streitet sie nicht ab, denn sie ist offenkundig. Es ist allerdings auch möglich, dass sich das Personalpronomen „er“ auf Aḷḷāh bezieht, dann bedeutet es, dass Er darauf hinweist, dass Er Selbst Zeuge der Undankbarkeit der Menschen ist. Somit ist es Warnung und Drohung für alle, die ihrem Herrn undankbar sind, denn Er ist wahrlich ihr Zeuge.
Vers 8: {Und er}, der Mensch, {ist in seiner Liebe zum (eigenen) Besten}, nämlich zum materiellen Besitz, {wahrlich heftig}, und diese Liebe zum Besitz bringt ihn dazu, seine Pflichten zu vernachlässigen, d. h., er zieht die Befriedigung seiner eigenen Wünsche dem Wohlgefallen Seines Herrn vor. All dies ist eine Folge davon, dass er seinen Fokus auf dieses Leben beschränkt und gegenüber dem Jenseits sorglos ist. Vers 9-10: Deshalb sagt Aḷḷāh, um den Menschen dazu zu bewegen, seine Aufmerksamkeit auf den Letzten Tag zu lenken und diesen zu fürchten: {Weiß er denn nicht?}, dieser Verblendete, wenn {durchwühlt wird, was in den Gräbern ist}, dass Aḷḷāh dann die Toten aus den Gräbern holen wird, um sie zu versammeln, {und herausgeholt wird, was in den Brüsten ist}?
Weiß er nicht, dass dann offenkundig wird, was in den Brüsten an Gutem und Schlechtem verborgen war, dass das Geheime sichtbar und das Innerste nach außen gekehrt wird und den Menschen ihre Taten ins Gesicht geschrieben stehen werden?
Vers 11: {ihr Herr wird an jenem Tag ihrer wahrlich kundig sein}, Er wird alles wissen über ihr Verborgenes und ihr Sichtbares Tun, und Er wird es ihnen entlohnen. Der Erhabene – Der ja an jedem Tag über das Tun aller Bescheid weiß – hebt diesen besonderen Tag hervor, um auf den Lohn hinzuweisen, den Er den Menschen aus diesem Wissen heraus bereithält.
3-1-5 Tafsir von Sūrah al-Qāri‛ah (101: Das Verhängnis, mekkanisch)
Mit dem Namen Aḷḷāhs, des Gnadenvollen, des Gnädigen
{1. Das Verhängnis! 2. Was ist das Verhängnis? 3. Und was lässt dich wissen, was das Verhängnis ist? 4. Am Tag, da die Menschen wie flatternde Motten sein werden 5. und die Berge wie zerflockte gefärbte Wolle sein werden. 6. Was nun jemanden angeht, dessen Waagschalen schwer sind, 7. so wird er in einem zufriedenen Leben sein. 8. Was aber jemanden angeht, dessen Waagschalen leicht sind, 9. dessen Mutter wird ein Abgrund sein. 10. Und was lässt dich wissen, was das ist? 11. Ein sehr heißes Feuer.}
Vers 1-3: {Das Verhängnis} - dies ist einer der Namen des Tages der Auferstehung, weil er die Menschen verstören und in Schrecken versetzen wird. Aḷḷāh hebt seine Gewaltigkeit durch eindringliche Wiederholung hervor, und durch die Frage: {Das Verhängnis! Was ist das Verhängnis? Und was lässt dich wissen, was das Verhängnis ist?}.
Vers 4: {Am Tag, da die Menschen}, vor Angst und Schrecken {wie flatternde Motten sein werden}, wie ziellos durcheinanderschwirrende Insekten. Motten sind Tiere, die nachts herumflattern, ohne dass man erkennen könnte, wohin sie fliegen. Wird ein Feuer entzündet, so werden sie [...] wegen ihrer mangelhaften Wahrnehmung von seinem Licht angezogen. Genauso orientierungslos werden die Menschen an jenem Tag sein, obwohl sie vernunftbegabte Wesen sind.
Vers 5: Die massiven, festen Berge aber werden {wie zerflockte gefärbte Wolle sein}, so leicht, dass sie beim geringsten Windhauch verweht werden. Der Erhabene sagt an anderer Stelle auch: {Und du siehst die Berge, von denen du meinst, sie seien unbeweglich, während sie wie Wolken vorbeiziehen.} (27:88) Danach werden sie zu verstreuten Staubkörnchen und zerfallen, bis nichts mehr von ihnen wahrzunehmen ist. Daraufhin werden die Waagschalen herbeigebracht und die Menschen in zwei Gruppen geteilt: in Glückselige und Elende.
Vers 6-7: {Was aber denjenigen angeht, dessen Waagschalen schwer sind}, d. h., dessen gute Werke schwerer wiegen als die schlechten, {so wird er in einem zufriedenen Leben sein}, in Gärten der Wonne.
Vers 8-11: {Was aber denjenigen angeht, dessen Waagschalen leicht sind}, d. h., der keine gute Taten vorzuweisen hat, die seine schlechten aufwiegen könnten, {dessen Mutter wird ein Abgrund sein}, sein ewiger Aufenthaltsort wird die Hölle sein, auch „Abgrund“ genannt, und sie wird ihn festhalten wie eine Mutter ihr Kind – wie der Erhabene in einem anderen Vers sagt: {Ihre Strafe ist ja unablässig.} (25:65) Es heißt aber auch, dieser Vers bedeute, dass sein Haupt ins Feuer geworfen werde, d. h., dass er kopfvoran ins Feuer geworfen wird. {Und was lässt dich wissen, was das ist?}: Diese Worte heben die Aufgabe des Feuers hervor: {ein sehr heißes Feuer}, siebzig Mal heißer als das Feuer in dieser Welt. Möge Aḷḷāh uns davor bewahren!
3-1-6 Tafsir von Sūrah at-Takāṯur (102: Die Vermehrung, mekkanisch)
Mit dem Namen Aḷḷāhs, des Gnadenvollen, des Gnädigen
{1. Die Vermehrung lenkt euch ab, 2. bis ihr die Friedhöfe besucht. 3. Keineswegs! Ihr werdet (es noch) erfahren. 4. Abermals: Keineswegs! Ihr werdet (es noch) erfahren. 5. Keineswegs! Wenn ihr es nur mit dem Wissen der Gewissheit wüsstet! 6. Ihr werdet ganz gewiss den Höllenbrand sehen. 7. Abermals: Ihr werdet ihn mit dem Auge der Gewissheit sehen. 8. Hierauf werdet ihr an jenem Tag ganz gewiss nach der Wonne gefragt werden.}
Vers 1: Aḷḷāh tadelt Seine Diener dafür, dass sie das, wofür sie erschaffen wurden, vernachlässigen, nämlich Ihm allein zu dienen, ohne Ihm Teilhaber zur Seite zu stellen, Ihn zu erkennen, Ihm alle ihre Angelegenheiten anzuvertrauen und der Liebe zu Ihm den Vorzug gegenüber allem anderen zu geben. Er sagt: {Die Vermehrung lenkt euch ab}, ohne etwas Bestimmtes zu nennen, weil dieser Begriff alles beinhaltet, wonach der Mensch giert und womit er prahlt: materieller Besitz, Kinder, Helfer, Soldaten, Bedienstete, Rang und Stellung und vieles mehr, womit der eine den anderen zu übertrumpfen sucht, statt das Wohlgefallen Aḷḷāhs zu erstreben.
Vers 2: Eure Nachlässigkeit und Achtlosigkeit wird solange andauern, {bis ihr die Friedhöfe besucht} und es euch wie Schuppen von den Augen fällt – nun, wo euch jede Wiedergutmachung unmöglich geworden ist. Die Worte {bis ihr die Friedhöfe besucht} deuten darauf hin, dass hier vom Barzaḫ die Rede ist, der kein bleibender Aufenthalt ist, sondern den Übergang zum Jenseits darstellt, spricht doch Aḷḷāh von „Besuchern“ und nicht von „Bewohnern“, als Hinweis auf dieAuferstehung und auf die Vergeltung der Taten in der ewigen Wohnstätte des Jenseits.
Verse 3-6: Darum warnt Er den Menschen: {Keineswegs! Ihr werdet (es noch) erfahren. Abermals: Keineswegs! Ihr werdet (es noch) erfahren. Keineswegs! Wenn ihr es nur mit dem Wissen der Gewissheit wüsstet!}, das bedeutet: Würdet ihr wahrhaftig wissen und mit euren Herzen erfassen, was vor euch liegt, dann könnte euch diese Gier nach mehr nicht ablenken. Vielmehr würdet ihr euch beeilen, gute Werke zu tun. Euer fehlendes Wissen aber führt euch dahin, wo ihr jetzt seid. {Ihr werdet ganz gewiss den Höllenbrand sehen}, d. h. ihr werdet die Auferstehung real erleben und den Höllenbrand sehen, den Aḷḷāh für die Ungläubigen vorbereitet hat.
Vers 7: {Abermals: Ihr werdet ihn mit dem Auge der Gewissheit sehen}, mit den physischen Augen, wie der Erhabene an anderer Stelle sagt: {Und die Übeltäter werden das (Höllen)feuer sehen und überzeugt sein, dass sie hineinfallen, und kein Mittel finden, es abzuwenden.} (18:53)
Vers 8: {Hierauf werdet ihr an jenem Tag ganz gewiss nach der Wonne gefragt werden}, die ihr im Diesseits genossen habt. Wart ihr dankbar dafür, habt ihr also Aḷḷāhs Wohltaten nicht für Ungehorsam missbraucht, sondern eure Pflichten Ihm gegenüber erfüllt, sodass Er euch nun größere und wertvollere Gnade erweist? Oder habt ihr euch von den Wohltaten täuschen lassen und sie – statt dafür zu danken – zur Auflehnung gegen Aḷḷāh verwendet, sodass Er euch dafür bestrafen wird? So sagt der Erhabene: {Und am Tag, da diejenigen, die ungläubig sind, dem (Höllen)feuer vorgeführt werden: „Ihr habt eure guten Dinge im diesseitigen Leben dahingehen lassen und sie genossen. Heute wird euch mit der schmählichen Strafe vergolten, dass ihr euch auf der Erde ohne Recht hochmütig zu verhalten und dass ihr zu freveln pflegtet.“} (Al-ʼAḥqāf: 20)
3-1-7 Tafsir von Sūrah al-‛Aṣr (103: Das Zeitalter, mekkanisch)
Mit dem Namen Aḷḷāhs, des Gnadenvollen, des Gnädigen
{Beim Zeitalter! 2. Der Mensch befindet sich wahrlich in Verlust, 3. außer denjenigen, die glauben und rechtschaffene Werke tun und einander die Wahrheit eindringlich empfehlen und einander die Standhaftigkeit eindringlich empfehlen.}
Verse 1-3: Bei der Zeit, aus Tag und Nacht bestehend, bei der Zeit, in der die Menschen ihre Werke verrichten, schwört der Erhabene, dass jeder Mensch Verlust erleiden wird. […] Es gibt jedoch verschiedene Stufen des Verlusts. Vollständigen Verlust erleidet derjenige, der das Diesseits und das Jenseits und alles Gute verliert und nichts als das Höllenfeuer verdient.
Ein Verlust mag aber auch nur gewisse Aspekte betreffen, während andere davon verschont bleiben. Hier wendet Aḷḷāh den Begriff jedoch ganz allgemein an, gemeint ist der Verlust, von dem jeder Mensch betroffen ist – außer denjenigen, die folgende vier Merkmale aufweisen:
- Der Glaube an das, woran zu glauben Aḷḷāh befiehlt. Glaube aber kann ohne Wissen nicht bestehen, dieses ist ein Teil des Glaubens, ohne den er unvollständig ist.
- Das Verrichten rechtschaffener Werke. Das umfasst alle Arten von guten Taten, offenkundige und verborgene, die Rechte Aḷḷāhs und die Rechte anderer Menschen betreffende, seien es Pflichten oder freiwillige Taten.
- Die Ermahnung, an der Wahrheit festzuhalten, d. h. am Glauben und an den guten Werken. Das beinhaltet, selbst danach zu streben und sich gegenseitig dazu anzuspornen.
- Die Ermahnung zur Standhaftigkeit im Gehorsam gegenüber Aḷḷāh, das Abhalten vom Ungehorsam und die Aufforderung, auch dann standhaft zu bleiben, wenn die Vorherbestimmung schmerzhaft ist.
Mit den ersten beiden Aspekten vervollkommnet der Mensch sich selbst und mit den beiden letzteren hilft er anderen, sich zu vervollkommnen. Alle vier Aspekte einzuhalten aber bewahren den Menschen vor Verlust und lassen ihn den größten Gewinn erlangen.
3-1-8 Tafsir von Sūrah al-Humazah (104: Der Stichler, mekkanisch)
Mit dem Namen Aḷḷāhs, des Gnadenvollen, des Gnädigen
{1. Wehe jedem Stichler und Nörgler, 2. der Besitz zusammenträgt und ihn zählt und immer wieder zählt, 3. wobei er meint, dass sein Besitz ihn ewig leben ließe! 4. Keineswegs! Er wird ganz gewiss in al-Ḥuṭamah geworfen werden. 5. Was lässt dich wissen, was al-Ḥuṭamah ist? 6. (Sie ist) Aḷḷāhs entfachtes Feuer, 7. das Einblick in die Herzen gewinnt. 8. Gewiss, es wird sie einschließen 9. in langgestreckten Säulen.}
Vers 1: Mit {Wehe}, einem Wort der Drohung, warnt Aḷḷāh hier jeden {Stichler und Nörgler}, der den Menschen mit Verachtung begegnet und über sie lästert, vor schwerer Bestrafung. Ein Stichler ist jemand, der anderen ihre Fehler durch seine Handlungen vorhält und sie demütigt, während ein Nörgler sie mit Worten herabsetzt.
Vers 2: Ihn interessiert nichts anderes, als Besitz anzuhäufen, zu vermehren und nur sich selbst daran zu erfreuen, er hegt keinerlei Absicht, ihn für Gutes auszugeben (’Iḥsān), z. B. für bedürftige Verwandte.
Vers 3: {Wobei er meint} – in seiner Unwissenheit – {dass sein Besitz ihn ewig leben ließe}, und zwar in dieser Welt, deshalb gilt all seine Mühe der Mehrung seines Besitzes [...]. Er weiß nicht, dass Geiz sowohl das diesseitige als auch das jenseitige Leben zerstört und nur Güte das Leben verlängert.
Vers 4-7: {Keineswegs! Er wird ganz gewiss in al-Ḥuṭamah geworfen}, hinein geschleudert werden. {Was lässt dich wissen, was al-Ḥuṭamah ist?}, mit dieser rhetorischen Frage wird einerseits die gewaltige Bedeutung hervorgehoben und andererseits dient sie zur Warnung. Aḷḷāh erklärt nun „al-Ḥuṭamah“ mit den Worten: {(Sie ist) Aḷḷāhs entfachtes Feuer}, dessen Brennstoff Menschen und Steine sind, {das} in seiner Heftigkeit {Einblick in die Herzen gewinnt} – es durchdringt die Körper bis zu den Herzen.
Vers 8: In dieser unerträglichen Hitze sind sie gefangen, ohne jede Hoffnung, ihr zu entkommen: {Gewiss, es wird sie einschließen in langgestreckten Säulen}, hinter den Toren, sodass sie nicht entkommen können, denn: {Jedes Mal, wenn sie aus ihm herauskommen wollen, werden sie dahinein zurückgebracht.} (32:20) Wir nehmen bei Aḷḷāh Zuflucht davor und bitten Ihn um Vergebung und Wohlergehen.
3-1-9 Tafsir von Sūrah al-Fīl (105: Der Elefant, mekkanisch)
Mit dem Namen Aḷḷāhs, des Gnadenvollen, des Gnädigen
{1. Siehst du nicht, wie dein Herr mit den Leuten des Elefanten verfuhr? 2. Ließ Er nicht ihre List verlorengehen 3. und sandte gegen sie Vögel in aufeinanderfolgenden Schwärmen, 4. die sie mit Steinen aus gebranntem Lehm bewarfen, 5. und sie so wie abgefressene Halme machte?}
Vers 1-5: Hast du nicht die Gewalt Aḷḷāhs, Seine allumfassende Macht, Seine Gnade gegenüber Seinen Dienern, die Hinweise auf Seine Einzigkeit und die Wahrhaftigkeit Seines Gesandten Muḥammad r darin erkannt, wie Aḷḷāh mit den Leuten des Elefanten verfuhr, die Sein Haus zu zerstören trachteten und seine Vernichtung im Sinn hatten? Sie bereiteten den Angriff vor, hatten Elefanten dabei, die die Kaʽbah zerstören sollten. Sie kamen aus Abessinien[1] und aus dem Jemen und schlossen sich zusammen, sodass die Araber gegen sie machtlos waren. Als sie sich Mekka näherten, während die Araber über keinerlei Mittel zu ihrer Verteidigung verfügten und die Bewohner die Stadt aus Furcht verlassen hatten, sandte Aḷḷāh Vogelschwärme gegen die Feinde aus, aufeinanderfolgende, verstreute Schwärme, die sie mit Steinen aus gebranntem Lehm bewarfen und sie überallhin verfolgten. So wurden sie geschwächt, bis sie aussahen {wie abgefressene Halme}. So setzte Aḷḷāh ihrem üblen Tun ein Ende und vereitelte ihre List. Diese Geschichte ist bekannt und berühmt, sie ereignete sich im Geburtsjahr des Gesandten Aḷḷāhs r, war einer der Vorboten seiner Entsendung und Verkündigung. Und aller Lobpreis und aller Dank gebührt Aḷḷāh.
3-1-10 Tafsir von Sūrah Quraiš (106, mekkanisch)
Mit dem Namen Aḷḷāhs, des Gnadenvollen, des Gnädigen {Für die Vereinigung der Quraiš, 2. ihre Vereinigung während der Reise des Winters und des Sommers. 3. So sollen sie dem Herrn dieses Hauses dienen, 4. Der ihnen Speise nach ihrem
[1] In den heutigen Gebieten von Äthiopien und Eritrea.
Hunger gegeben und ihnen Sicherheit nach ihrer Furcht gewährt hat.}
Vers 1-4: Zahlreiche Exegeten vertreten die Auffassung, dass diese Sūrah mit der vorangehenden zusammenhängt, d. h., dass Aḷḷāh mit den Leuten des Elefanten in der eben genannten Weise verfuhr, um die Sicherheit der Qurayš zu gewährleisten und zu ihrem Nutzen, damit ihre Handelskarawane, mit der Gewinne erzielt werden sollten, planmäßig im Sommer in den Jemen und im Winter nach aš-Šām ziehen konnte. Darum vernichtete Aḷḷāh diejenigen, die ihnen Schaden zufügen wollten. Nun hebt Er die Bedeutung hervor, die der Kaʽbah und den Bewohnern Mekkas in den Herzen der Araber gebührt, auf dass man ihnen mit Respekt begegnen und sie an keiner Reise hindern soll. Darum befiehlt Aḷḷāh ihnen (den Qurayš), dankbar zu sein und sagt: {So sollen sie dem Herrn dieses Hauses dienen}, indem sie Seine Einheit bezeugen und Ihm allein in Demut dienen – Ihm, {Der ihnen Speise nach ihrem Hunger gegeben und ihnen Sicherheit nach ihrer Furcht gewährt hat}, denn ausreichende Versorgung und ein Leben in Sicherheit und frei von Furcht gehören zu den größten Gnaden des irdischen Lebens und es gilt, Aḷḷāh dafür dankbar zu sein. Dir, oh Aḷḷāh, gebührt aller Lobpreis und Dank für deine offenkundigen und verborgenen Wohltaten, Ihm, Der hier Seine göttliche Herrschaft durch die Erwähnung der Kaʽbah hervorhebt und ihre Bedeutung und ehrenvolle Stellung betont, Ihm, Aḷḷāh, dem Herrn aller Dinge.
3-1-11 Tafsir von Sūrah al-Mā‛ūn (107: Die Hilfeleistung, mekkanisch)
Mit dem Namen Aḷḷāhs, des Gnadenvollen, des Gnädigen {1. Siehst du (nicht) denjenigen, der das Gericht für Lüge erklärt? 2. Das ist derjenige, der die Waise zurückstößt 3. undnicht zur Speisung des Armen anhält. 4. Wehe nun den Betenden, 5. denjenigen, die auf ihre Gebete nicht achten, 6. denjenigen, die dabei (nur) gesehen werden wollen; 7. und die Hilfeleistung verweigern!}
Aḷḷāh c tadelt hier denjenigen, der die religiösen Pflichten und die Rechte der Mitmenschen vernachlässigt, indem Er sagt: „Siehst du (nicht) denjenigen, der das Gericht für Lüge erklärt?“ – mit dem Gericht sind hier die Auferstehung und die Vergeltung gemeint –, und zwar, indem man die Botschaft der Gesandten verleugnet.
Vers 1: {Siehst du (nicht) denjenigen, der das Gericht für Lüge erklärt}, der Auferstehung und Vergeltung leugnet und nicht an das glaubt, was die Gesandten brachten?
Vers 2: {Das ist derjenige, der die Waise zurückstößt}, sie in seiner Hartherzigkeit grob und unbarmherzig abweist, weil er weder einen Lohn erhofft, noch Strafe fürchtet.
Vers 3: Er fordert niemanden {zur Speisung des Armen} auf und noch viel weniger speist er ihn selbst.
Vers 4-5: {Wehe nun den Betenden}, nämlich denjenigen, die sich zwar an die Gebetspflicht halten, aber {auf ihre Gebete nicht achten}, sie vernachlässigen, die Zeiten missachten und die zugehörigen Regeln nicht einhalten. Sie kümmern sich nicht um Aḷḷāhs Befehl, nehmen das Gebet, die wichtigste Form der Anbetung Aḷḷāhs, nicht ernst, und wer das Gebet vernachlässigt, verdient es, getadelt zu werden. Was jedoch die Zerstreutheit im Gebet betrifft, ist dies etwas, wovor niemand gefeit ist, es geschah sogar dem Propheten r.
Vers 6-7: Aḷḷāh legt denjenigen, die das Gebet vorsätzlich missachten, Augendienerei, Hartherzigkeit und fehlendes Mitgefühl zur Last, nennt sie die, {die dabei (nur) gesehenwerden wollen}, d. h., die gute Werke nur tun, um von den Leuten gesehen zu werden, {die Hilfeleistung verweigern}, indem sie nicht einmal leicht entbehrliche Dinge zur Verfügung stellen, wie bspw. einen Eimer oder ein Beil o. Ä., was üblicherweise untereinander ausgetauscht wird. Sie jedoch sind so geizig, dass sie selbst solche Hilfeleistung ablehnen – wie verhält es sich wohl erst mit wertvolleren Dingen?
In dieser Sūrah wird der Gläubige dazu angehalten, die Waisen und die Armen zu speisen und andere dazu aufzufordern, dasselbe zu tun. Sie dient als Ansporn, das Gebet sowie alle anderen Handlungen in aufrichtiger Ergebenheit auszuführen, auch andere zum rechten Tun zu motivieren und einander mit alltäglichen Dingen auszuhelfen, denn wer solche Hilfe verweigert, wird von Aḷḷāh getadelt. Aḷḷāh aber weiß es am besten.
3-1-12 Tafsir von Sūrah al-Kauṯar (108, mekkanisch)
Mit dem Namen Aḷḷāhs, des Gnadenvollen, des Gnädigen
{1. Wir haben dir ja al-Kauṯar gegeben. 2. So bete zu deinem Herrn und opfere. 3. Gewiss, derjenige, der dich hasst, - er ist vom Guten abgetrennt.}
Vers 1: Aḷḷāh, erhaben ist Er, sagt zu Seinem Propheten Muḥammad r, ihn Seiner Gnade versichernd: {Wir haben dir ja al-Kauṯar gegeben}, das bedeutet: Gutes und Gnaden im Überfluss, und dazu gehört auch jener Fluss namens al-Kauṯar[1], den Aḷḷāh Seinem Propheten r am Letzten Tag zuteilwerden lässt, ein Becken, dessen Länge abzuschreiten einen Monat
[1] Ṣaḥīḥ Muslim, überliefert von ʼAnas t.
dauert, und ebenso die Breite. Sein Wasser ist weißer als Milch und süßer als Honig und die Trinkbecher gleichen hinsichtlich ihrer Anzahl und Leuchtkraft den Sternen im Himmel. Wer einen Schluck daraus trinkt, ist nie wieder durstig.[1]
Vers 2: Nachdem Er den Gesandten r an Seine Gnade erinnert hat, fordert Er ihn auf, dankbar zu sein: {So bete zu deinem Herrn und opfere}, womit Aḷḷāh die beiden Gottesdienste hervorhebt, die die vorzüglichsten und bedeutsamsten Formen der Annäherung an Ihn sind. Denn im Gebet, das sowohl die Demut des Herzens als auch die körperliche Demut gegenüber Aḷḷāh voraussetzt, durchläuft man in den einzelnen Gebetsabschnitten[1] mehrere Formen der Anbetung. Und was das Opfern anbelangt, so ist das beste Opfer, das der Mensch erbringen kann, etwas von seinem Besitz herzugeben, an dem er oft in übergroßer Liebe hängt und deshalb damit geizt.
Vers 3: {Gewiss, derjenige, der dich hasst}, der Groll gegen dich [hier ist Muḥammad r gemeint] hegt, dich herabsetzt und abfällig über dich urteilt, der {ist der (vom Guten) Abgeschnittene}, von jeglichem Guten, von allen guten Werken, seien es Taten oder Gedanken. Muḥammad r aber ist wahrhaftig vollkommen, ihm wurde die größte Vollkommenheit gegeben, die ein Mensch besitzen kann, sein Andenken wird hochgehalten und zahlreich sind seine Helfer und Anhänger.
[6]Ṣaḥīḥ Muslim, überliefert von ʼAbū Ḏarr t.
[7] Verbeugung, Niederwerfung usw.
3-1-13 Tafsir von Sūrah al-Kāfirūn (109: Die Ungläubigen, mekkanisch)
{1. Sag: O ihr Ungläubigen, 2. ich diene nicht dem, dem ihr dient, 3. und ihr dient nicht Dem, Dem ich diene. 4. Und ich werde (auch) nicht dem dienen, dem ihr gedient habt, 5. Und ihr werdet nicht Dem dienen, Dem ich diene. 6. Euch eure Religion und mir meine Religion.}
Verse 1-6: Sag zu den Ungläubigen klar und offen: {ich diene nicht dem, dem ihr dient}, d. h., ich spreche mich los von allem, was ihr offen und im Verborgenen anbetet; {und ihr dient nicht Dem, Dem ich diene}, weil es euch in der Anbetung an aufrichtiger Ergebenheit fehlt, euer Gottesdienst, in dem ihr Aḷḷāh anderes zur Seite stellt, verdient den Namen „Anbetung Aḷḷāhs“ nicht. Aḷḷāh wiederholt Seine Aussage: Als Erstes weist Er so darauf hin, dass es den Ungläubigen an aufrechtem Handeln mangelt und danach unterstreicht Er, dass ihnen diese Einstellung zur bleibenden Eigenschaft wurde. Darum unterscheidet Er deutlich zwischen beiden Gruppen und trennt sie klar voneinander: {Euch eure Religion und mir meine Religion}. Wie der Erhabene an anderer Stelle sagt: {Sag: Jeder handelt nach seiner Weise.} (17:84), sagt Er hier: {Für mich ist meine Religion, und für euch ist eure Religion}.
3-1-14 Tafsir von Sūrah an-Naṣr (110: Die Hilfe, medinensisch)
Mit dem Namen Aḷḷāhs, des Gnadenvollen, des Gnädigen
{1. Wenn Aḷḷāhs Hilfe kommt und der Sieg 2. und du die Menschen in Aḷḷāhs Religion in Scharen eintreten siehst, 3. dann lobpreise deinen Herrn und bitte Ihn um Vergebung; gewiss, Er ist Reue Annehmend.}
Verse 1-3: Diese edle Sūrah enthält eine frohe Botschaft, einen an den Gesandten r gerichteten Befehl für den Zeitpunkt, an dem er diese Offenbarung erhält, und auch einen Hinweis darauf, was danach folgen wird:
Die frohe Botschaft bezieht sich auf die Hilfe Aḷḷāhs für Seinen Gesandten, die Eroberung Mekkas und dass {die Menschen in Scharen in Aḷḷāhs Religion eintreten}, sodass viele, die zuvor seine Feinde waren, nun zu seinen Helfern gehörten. Diese Verkündigung traf auch ein.
Was aber den Befehl Aḷḷāhs an Seinen Gesandten betrifft, so fordert Er ihn auf, Ihm bei Eintreffen dieses Sieges dafür zu danken, Ihn zu lobpreisen und um Vergebung zu bitten.
Und was den Hinweis betrifft, so sind es in Wirklichkeit zwei Hinweise. Erstens, dass die Hilfe Aḷḷāhs für diesen Glauben fortbestehen und sich mehren wird, dadurch, dass der Gesandte Aḷḷāh lobpreist und Ihn um Vergebung bittet, denn dies ist eine Form des Dankes, und Aḷḷāh sagt: {Wenn ihr dankbar seid, werde Ich euch ganz gewiss noch mehr (Gunst) erweisen} (14:7). Dies bestätigte sich in dieser Gemeinschaft zur Zeit der rechtgeleiteten Kalifen und auch danach, indem die Hilfe Aḷḷāhs beständig anhielt, bis der Islam das erreichte, was keine Religion zuvor je erreicht hatte, er von Menschen angenommen wurde, die keinen anderen Glauben hatten. Erst als die Aufsässigkeit gegenüber Aḷḷāhs Befehl zunahm, prüfte Er diese Gemeinschaft durch Uneinigkeit und Zerstreuung ihrer Angelegenheiten, sodass letztendlich das eintrat, was eintrat. Und dennoch wird dieser Gemeinschaft weiterhin Aḷḷāhs unermessliche Barmherzigkeit und Güte zuteil. Der zweite Hinweis aber bezieht sich auf den nahen Tod des Gesandten Aḷḷāhs r, dessen Leben vortrefflich war – Aḷḷāh Selbst schwor darauf. Alle vortrefflichen Dinge aber enden mit der Bitte
um Vergebung, wie bspw. das Gebet und die Pilgerfahrt. Dass Aḷḷāh dem Gesandten r in dieser Situation befahl, Ihn zu lobpreisen und um Vergebung zu bitten, deutet deshalb darauf hin, dass sich sein Leben dem Ende näherte: Nun sollte er sich auf die Begegnung mit Seinem Herrn vorbereiten und sein Leben mit dem Bestmöglichen beenden. So pflegte der Prophet r während der Verbeugung und der Niederwerfung im Gebet häufig folgende Worte zu sprechen:
سُبْحَانَكَ اللَّهُمَّ رَبَّنَا وَبِحَمْدِكَ اللَّهُمَّ اغْفِرْ لِي
Preis Dir, oh Aḷḷāh, unser Herr, aller Lobpreis gebührt Dir, oh Aḷḷāh, vergib mir!
3-1-15 Tafsir von Sūrah al-Masad (111: Die Palmfasern, mekkanisch)
Mit dem Namen Aḷḷāhs, des Gnadenvollen, des Gnädigen
{1. Zugrunde gehen sollen die Hände ’Abū Lahabs, und zugrunde gehen soll er (selbst)! 2. Was nützt ihm sein Besitz und das, was er erworben hat? 3. Er wird einem Feuer voller Flammen ausgesetzt sein 4. und (auch) seine Frau, die Brennholzträgerin. 5. Um ihrem Hals ist ein Strick aus Palmfasern.}
Vers 1: ʼAbū Lahab war ein Onkel Muḥammads r. Er war ein heftiger Feind des Propheten r und fügte ihm viel Schaden zu. Er hatte keinen Glauben und brachte für seine nahe Verwandtschaft keinerlei Mitgefühl auf. Möge Aḷḷāh ihn vernichten! Aḷḷāh tadelt ihn dafür schwer, erniedrigt ihn bis zum Tag der Auferstehung. {Zugrunde gehen sollen die Hände ʼAbū
[8] Ṣaḥīḥ al-Buḫāriyy (4967, 4968); Muslim (484) von ʽĀ’išahi, möge Aḷḷāh mit ihr zufrieden sein.
Lahabs}, [...] {und zugrunde gehen soll er (selbst)} und so hat er auch keinerlei Gewinn erlangt.
Vers 2: {Was nützt ihm sein Besitz}, den er nicht für Gutes verwendet, {und das, was er erworben hat} – nichts von alledem wird seine Strafe bei Aḷḷāh mindern.
Vers 3-5: {Er wird einem Feuer voller Flammen ausgesetzt sein}, von allen Seiten wird das Feuer ihn umgeben, ihn {und (auch) seine Frau, die Brennholzträgerin}, die wie er selbst stets bestrebt war, dem Gesandten Aḷḷāhs r Schaden zuzufügen. Sie und ihr Ehemann bestärkten sich gegenseitig in ihrer Sündhaftigkeit und Feindseligkeit und in ihrem Streben nach Üblem. Dadurch, dass sie alles daran setzte, dem Gesandten Aḷḷāhs r zu schaden sammelte sie eine schwere Last von Sünden an, gleich jemandem, der eine Bürde Brennholz auf dem Rücken trägt. Aḷḷāh hat für sie einen Strick {aus Palmfasern} bereitet, den sie um ihren Hals trägt. Dieser Vers kann aber auch bedeuten, dass sie Brennholz in die Hölle trägt und auf ihren Mann schichtet, während um ihren Hals ein Strick aus Palmfasern liegt.
Wie auch immer – in dieser Sūrah liegt ein klares Wunder Aḷḷāhs, denn Er offenbarte sie, bevor ʼAbū Lahab und seine Frau vernichtet waren, Er gab Kenntnis davon, dass es beschlossene Sache ist, dass die beiden im Feuer bestraft werden. Und so, wie es der Kenner des Verborgenen und des Offenkundigen sagt, so wird es geschehen.
3-1-16 Tafsir von Sūrah al-ʼIḫlāṣ (112: Die Aufrichtigkeit, mekkanisch)
Mit dem Namen Aḷḷāhs, des Gnadenvollen, des Gnädigen{1. Sag: Er ist Aḷḷāh, ein Einer, 2. Aḷḷāh, der Ṣamad. 3. Er hat nicht gezeugt und ist nicht gezeugt worden, 4. und niemand ist Ihm jemals gleich.}
Vers 1: {Sag} ein Wort, dessen Wichtigkeit dir bewusst ist, von dessen Wahrhaftigkeit du überzeugt bist und dessen Bedeutung du verstehst: {Er ist Aḷḷāh, ein Einziger}, und dieses Eins-Sein ist allein auf Ihn beschränkt. Er allein ist der Eine, der Vollkomme, Der die schönsten Namen trägt, Der die höchsten und vollkommensten Eigenschaften besitzt und Dem die heiligsten Taten eigen sind, Dem nichts gleichkommt und Dem nichts ähnlich ist.
Vers 2: {Aḷḷāh, der Ṣamad}, d. h. Derjenige, von Dem die Erfüllung aller Bedürfnisse abhängt, Dessen die Bewohner der Himmel und der Erde in jeder Hinsicht bedürfen. An Ihn richten sie ihre Bitten und an Ihn wenden sie sich mit ihren Sorgen, denn Er ist vollkommen in Seinen Eigenschaften, in Seinem Wissen. Er ist der Milde, vollkommen in Seiner Güte und Barmherzigkeit, vollkommen in Seiner Gnade, die alles umfasst – und diese Vollkommenheit trifft auf alle Seine anderen Eigenschaften zu.
Vers 3: {Er hat nicht gezeugt und ist nicht gezeugt worden}, auch das gehört zu Seiner Vollkommenheit, zu Seinem Sich Selbst genügenden Reichtum.
Vers 4: {Und niemand ist Ihm jemals gleich}, weder in Seinen Namen, noch in Seinen Eigenschaften, noch in Seinen Taten. Segensreich ist Er und erhaben.
Diese kleine Sūrah beinhaltet somit den gesamten Tauḥīd in Bezug auf Seine Namen und Eigenschaften.
3-1-17 Tafsir von Sūrah al-Falaq (113: Der Tagesanbruch, mekkanisch)
Mit dem Namen Aḷḷāhs, des Gnadenvollen, des Gnädigen
{1. Sag: Ich nehme Zuflucht beim Herrn des Tagesanbruchs 2. vor dem Übel dessen, was Er erschaffen hat, 3. und vor dem Übel der Dunkelheit, wenn sie zunimmt, 4. und vor dem Übel der Knotenanbläserinnen 5. und vor dem Übel eines (jeden) Neidenden, wenn er neidet.}
Vers 1: {Sag}, wenn du Schutz suchst: {Ich nehme Zuflucht}, d. h., ich vertraue mich dem {Herrn des Tagesanbruchs} an, Der die Körner und die Kerne spaltet, und Der den Morgen anbrechen lässt;
Vers 2: {vor dem Übel dessen, was Er erschaffen hat}, das umfasst alle Geschöpfe, die Aḷḷāh erschaffen hat, Mensch, Ğinn und Tier. Man nimmt Zuflucht bei ihrem Schöpfer vor dem Übel, das in ihnen liegen mag.
Vers 3: Nun präzisiert Er: {und vor dem Übel der Dunkelheit, wenn sie zunimmt}, vor allem Schlechten, das die Nacht in sich birgt, wenn sie die Menschen bedeckt, und in der viele üble Gestalten und wilde Tiere umherstreunen;
Vers 4: {und vor dem Übel der Knotenanbläserinnen}, das sind Zauberinnen, die zur Ausführung ihres Zaubers auf Knoten blasen;
Vers 5: {und vor dem Übel eines (jeden) Neidenden, wenn er neidet}: Ein Neider ist jemand, der einem anderen das Gute, das dieser besitzt, missgönnt und mit allen Mitteln zu erreichen versucht, dass ihm dieses Gute abhandenkommt. Vor diesem Übel und der List des Neiders nimmt man Zuflucht bei Aḷḷāh, und auch vor dem neidischen Blick, denn dieser geht nur von
jemandem aus, der einen schlechten, schändlichen Charakter besitzt.
Diese Sūrah lehrt die Zufluchtnahme vor allen Arten des Übels, im Allgemeinen und im Besonderen. Und sie weist darauf hin, dass Zauberei eine Realität ist, vor deren Schaden und vor deren Anhängern man bei Aḷḷāh Schutz und Zuflucht suchen muss.
3-1-18 Tafsir von Sūrah an-Nās (114: Die Menschen, mekkanisch)
Mit dem Namen Aḷḷāhs, des Gnadenvollen, des Gnädigen
{1. Sag: Ich nehme Zuflucht beim Herrn der Menschen, 2. dem König der Menschen, 3. dem Gott der Menschen, 4. vor dem Übel des Einflüsterers, des Davonschleichers, 5. der in die Brüste der Menschen einflüstert, 6. vor den Ğinn und den Menschen.}
Vers 1-6: In dieser Sūrah fordert Aḷḷāh auf, Zuflucht zu nehmen bei Ihm, dem Herrn der Menschen, ihrem König, ihrem Gott, vor dem Satan, der die Wurzel allen Übels ist. Er verführt durch seine Einflüsterungen, schmückt dem Menschen das Üble aus und stellt es ihm als etwas Gutes dar. Er ermuntert ihn dazu, es auszuführen und lässt ihm das Gute abstoßend erscheinen. Das ist seine Vorgehensweise, er flüstert ein – aber er zieht sich zurück, wenn Aḷḷāh genannt wird, d. h., er hält inne, wenn der Mensch Seines Herrn gedenkt und Ihn um Hilfe bittet. Darum ist es so wichtig, dass der Mensch in der Herrschaft Aḷḷāhs Hilfe, Zuflucht und Schutz sucht. Alle Geschöpfe unterliegen Seiner Herrschaft und Macht, sind Ihm und Seiner Göttlichkeit unterworfen und allein dazu erschaffen, Ihm zu dienen. Jede Anbetung Aḷḷāhs durch den Menschen bleibt indessen unvollkommen, wenn er nicht das Übel seines Feindes, des Satans, zurückweist, der stets versucht, sich seiner zubemächtigen, ihn vom Dienst an Aḷḷāh abzuhalten und ihn auf seine Seite zu ziehen, damit auch er zu den Bewohnern des Feuers gehöre. Und da Einflüsterungen auch von {den Ğinn und den Menschen} ausgehen können, suchen wir die Zuflucht bei Aḷḷāh auch vor ihnen.
Aller Lobpreis aber gebührt allein Aḷḷāh, am Anfang und am Ende, sichtbar und verborgen, Ihn bitten wir, Seine Gnade an uns zu vollenden und uns Sünden, die uns von Seinem Segen trennen, zu vergeben, wie auch Fehler und Begierden, die unsere Herzen vom Gedenken an Ihn und Seine Zeichen abhalten. Wir bitten Ihn und flehen Ihn an, dass Er uns das Gute, das sich bei Ihm befindet, nicht wegen des Übels, das sich bei uns findet, vorenthält. Denn niemand gibt die Hoffnung auf die Gnade Aḷḷāhs auf, außer den Ungläubigen, und niemand zweifelt an Seiner Gnade, außer denen, die in die Irre gehen. Aḷḷāhs Segen und Friede seien auf Seinem Gesandten, Muḥammad r, seiner Familie und seinen Gefährten, immerdar bis in alle Ewigkeit.
Aller Lobpreis aber gebührt Aḷḷāh, durch dessen Gnade die guten Werke zu ihrer Ausführung gelangen.